Sprache als Identität

Schweizerdeutsche ziehen Schweizerdeutsch dem Schriftdeutschen vor
Von Peter Pabisch

Der Begriff “Hochdeutsch” birgt für viele Deutschschweizer etwas Unerträgliches, weil „hoch“ auch „herrschend“ bedeutet, was sie nicht akzeptieren können. Sie nennen es „Schriftdeutsch“, also „geschriebenes“ Deutsch, das man heranzieht, wenn man mit allen deutschsprechenden Menschen kommunizieren will, wie in der gesamtdeutschen Kommission am Anfang des 20. Jahrhunderts vereinbart. Darin werden allgemeine Regeln festgelegt, die von beinahe allen Teilnehmern akzeptieret werden, vor allem in Deutschland, Österreich und der deutschen Schweiz. Es handelt sich um das gleiche international anerkannte Deutsch, das in Schulen und Universitäten gepflegt und in solchen Fachwerken festgelegt wird wie in den verschiedenen Bänden des DUDENs. Darin werden alle Aspekte der Standardsprache vom Wörterbuch zu Büchern der Grammatik oder der Sprachgeschichte in verschiedenen Bänden behandelt. Der DUDEN bespricht sogar die Dialekte, aber fasst sie als marginale Themen des Deutschen auf. Dialekte werden daher nicht als wichtig anerkannt und nur in bestimmten Gebieten der deutschen Geographie herangezogen. Diese akademische Ansicht ärgert die Schweizer im Allgemeinen. Sie bezeichnen allgemeines Deutsch als „Schriftdeutsch“, geschriebenes Deutsch, das nur in offiziellen Dokumenten, in Schulen und auch in der Literatur, wie in Romanen, Schauspielen und Dichtung Anwendung findet. Immerhin! Für die Schweizer gilt diese Sprache nicht als „hoch“, herrscht also nicht über sie oder stellt die Sprache der herrschenden Klasse(n) vor. Als Bürger einer der ältesten aktiven Demokratien der Welt sehen sie Schriftdeutsch als notwendig und praktisch, aber zu Hause und untereinander unterhalten sie sich auf Schweizerdeutsch, das für sie die Regionalsprache in verschiedenen Dialekten ihres allgemeinen Alemannisch bedeutet.

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