Von Peter Pabisch
Ich war 1946 acht Jahre alt, als mein Vater vom Krieg aus Russland, der ehemaligen UdSSR,
nach Hause kam. Er war auf kurze Heimaturlaube von der Front drei- oder viermal in den letzten sechs Jahren zurückgekommen, so dass dieses Jahr das erste mit ihm und der Familie zusammen sein sollte – mit meiner lieben Mutter, ihrer Schwester und deren Gemahl und, wie ich mich schwach erinnere, mit ihrem Bruder, der ein Bein während der Polenkampagne von 1939 verloren hatte. Von meines Vaters Seite kam niemand, weil die meisten seiner Brüder entweder in Kriegsgefangenschaft oder vermisst oder, wie einer von ihnen, gefallen waren. Mein Großvater besuchte einen, der wie mein Vater das gute Glück hatte, schon daheim zu verweilen. Kurzum die gesamte Stimmung um Weihnachten 1946 war düster, außer dass wir Huhn hatten und daher Fleisch zum ersten Mal in Monaten. Wie meine Mutter solch einen erinnernswerten Weihnachtsabend organisierte, fand ich niemals heraus. Hatte das vielleicht mit einem ihrer Schwester Haushühner zu tun …? Meine Mutter hatte alle unsere Weihnachtsessen in den vorangegangenen Kriegsjahren ohne meinen Vater bewundernswerterweise eher festlich gestaltet, aber für die gesamte deutsche Bevölkerung begannen die mageren Zeiten zu Kriegsende und dauerten bis in die frühen fünfziger Jahre – mit rationiertem und daher wenigem Essen von fragwürdiger Qualität. Allerdings in deutscher Tradition, wozu Österreich meistens auch gehörte, bemühte man sich sehr, zu Weihnachten den gewöhnlich miesen Kriegsalltag zu vergessen.
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